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Reinhard Mey
Zwischen Kontrollpunkt Drewitz Und Der Brücke Von Dreilinden

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Zwischenkontrollpunkt Rewitz
Niemands Land erinnern kann
Wie viele Stunden meines Lebens hab ich hier verwartet
Und immer irgendwie beengt, beklommen und bedrückt
Und immer in der falschen Spur gestoppt und neu gestartet
Und wieder ein paar Meter in der Schlange aufgerückt
Die Fließbänder, auf denen die Ausweispapiere rollen
Der Grenzer, der sie mit stählenden Blicken gegen nimmt
Die tragisch-komisch demütigenden Gesichtskontrollen
Und immer Angst dabei, dass vielleicht irgendwas nicht stimmt
Was war hinter den weiß getünchten Fenstern jetzt geschehen?
Was ist, wenn sie mich jetzt hier einfach aus dem Auto holen?
Ich hab Willkür und Unfreiheit
Auch anderswo gesehen
Doch nie so drohend nah
So zynisch und so unfaul
Ich fahre oftmals hier vorbei
Seit den Novembertagen
Doch nie ist's ganz alltäglich
Oder Selbstverständlichkeit
Nie ohne mir, Mann, weißt du noch, wie das hier war, zu sagen
Nie ohne ein ganz seltsames Gefühl von Dankbarkeit
Nie ohne jene Fernsehbilder aufzubeschrönen
Wie sie in Leipzig Montagabends auf die Straße gehen
Nie ohne noch einmal in mir die Sprechchöre zu hören
Ein Kerzenmehl im Winden
Vor Polizeistiefeln zu sehen
Von denen, die schon lang vorher ihre Stimme erhoben
Verfolgt und eingesperrt und ausgebürgert und verbannt
Die nicht verstummt sind vor Schikanen und dem Druck von oben
Die mit ihren Gebeten und dem Zähnen Widerstand
Und an die Nacht, als in Berlin die Schlagbäume hochgingen
Als da die Ersten rüberkamen, brach ein Jubel aus
Ein Lachen und ein Weinen, ein Umarmen und Umringen
Und keinem von uns hielt es da in dieser Nacht zu Haus
Die neu geschenkte Freiheit
Die neue geschenkte Freiheit
Hab ich mehr wirklich erfahren
Hab jeden neuen Übergang hin- und zurückprobiert
Und die Oranienburger Straße auch nach so viel Jahren
Ist, wie sie heißt und wirklich nach Oranienburg entfällt
Verfall habe ich statt blühender Landschaften gesehen
Und ahnte, dass wir auch Problemen und unruhiger Zeit
Und riesigen Herausforderungen entgegengehen
Und war begierig, teilzuhaben und zum Teilen bereit
Und als sie endlich die verhasste Mauer niederrissen
Ging da auch mancher Plan und mancher Starteform kaputt
Wer aber Augen hatte, um zu sehen, der musste wissen
Wo Mauern fallen, da türmen sich
Auch die Mauer, die wir surviving haben, waren keine Mauer
Berge von Schutt, vielleicht taugt er dazu, endlich die Gräben zuzuschütten, die alten
und die neu zwischen uns aufgerissen sind, damit nicht Neid und Vorteil das zarte Band
zerrütten, das sich grad vorsichtig zwischen uns zu weben beginnt.
Ich seh den Umbruch, seh Vertrauen, den Aufbruch und den Wandel, ich seh Verbitterung, Verzweiflung
und den Rückschlag schon, Glitzer gelanden über dem maroden Autohandel, die Glücksritter
und Goldgräber sind längst auf und davon, dem Videoverleih ist längst die Puste ausgegangen,
und in der Plattensiedlung bleibt die Zeit ganz einfach still, die Zukunft, nein, hier
hat die Gegenwart nicht stattgefunden, von Satellitenschüsseln und Discountmarkt abgesehen.
Der Lebensplan ist abgewickelt und der Job verloren, die Sprüchemacher sind verstummt
und trauen sich nicht mehr her, die Drahtzieher von damals bleiben wieder,
wieder ungeschoren, die Bonzen und die Spitzel, die packt heut doch keiner mehr, es braucht
schon einen unverschämten Mut zum Überleben, um ohne Zukunft das Vergangene auszuhardieren,
sie haben sich nicht aufgeliebt, um jetzt klein beizugeben, die Unterdrücker nicht
verjagt, um stumm zu resignieren.
.
Ich höre so viele Torheiten von Welten, die uns trennen, dass sich aus Neid und Widersprüchen
neuer Zwist entspinnt, wir müssen ja nicht gleich sein, wir müssen uns nur kennen, wir
sind doch nicht nur eins, wenn wir auch einer Meinung sind.
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Untertitelung des ZDF, 2020
Niemands Land erinnern kann
Wie viele Stunden meines Lebens hab ich hier verwartet
Und immer irgendwie beengt, beklommen und bedrückt
Und immer in der falschen Spur gestoppt und neu gestartet
Und wieder ein paar Meter in der Schlange aufgerückt
Die Fließbänder, auf denen die Ausweispapiere rollen
Der Grenzer, der sie mit stählenden Blicken gegen nimmt
Die tragisch-komisch demütigenden Gesichtskontrollen
Und immer Angst dabei, dass vielleicht irgendwas nicht stimmt
Was war hinter den weiß getünchten Fenstern jetzt geschehen?
Was ist, wenn sie mich jetzt hier einfach aus dem Auto holen?
Ich hab Willkür und Unfreiheit
Auch anderswo gesehen
Doch nie so drohend nah
So zynisch und so unfaul
Ich fahre oftmals hier vorbei
Seit den Novembertagen
Doch nie ist's ganz alltäglich
Oder Selbstverständlichkeit
Nie ohne mir, Mann, weißt du noch, wie das hier war, zu sagen
Nie ohne ein ganz seltsames Gefühl von Dankbarkeit
Nie ohne jene Fernsehbilder aufzubeschrönen
Wie sie in Leipzig Montagabends auf die Straße gehen
Nie ohne noch einmal in mir die Sprechchöre zu hören
Ein Kerzenmehl im Winden
Vor Polizeistiefeln zu sehen
Von denen, die schon lang vorher ihre Stimme erhoben
Verfolgt und eingesperrt und ausgebürgert und verbannt
Die nicht verstummt sind vor Schikanen und dem Druck von oben
Die mit ihren Gebeten und dem Zähnen Widerstand
Und an die Nacht, als in Berlin die Schlagbäume hochgingen
Als da die Ersten rüberkamen, brach ein Jubel aus
Ein Lachen und ein Weinen, ein Umarmen und Umringen
Und keinem von uns hielt es da in dieser Nacht zu Haus
Die neu geschenkte Freiheit
Die neue geschenkte Freiheit
Hab ich mehr wirklich erfahren
Hab jeden neuen Übergang hin- und zurückprobiert
Und die Oranienburger Straße auch nach so viel Jahren
Ist, wie sie heißt und wirklich nach Oranienburg entfällt
Verfall habe ich statt blühender Landschaften gesehen
Und ahnte, dass wir auch Problemen und unruhiger Zeit
Und riesigen Herausforderungen entgegengehen
Und war begierig, teilzuhaben und zum Teilen bereit
Und als sie endlich die verhasste Mauer niederrissen
Ging da auch mancher Plan und mancher Starteform kaputt
Wer aber Augen hatte, um zu sehen, der musste wissen
Wo Mauern fallen, da türmen sich
Auch die Mauer, die wir surviving haben, waren keine Mauer
Berge von Schutt, vielleicht taugt er dazu, endlich die Gräben zuzuschütten, die alten
und die neu zwischen uns aufgerissen sind, damit nicht Neid und Vorteil das zarte Band
zerrütten, das sich grad vorsichtig zwischen uns zu weben beginnt.
Ich seh den Umbruch, seh Vertrauen, den Aufbruch und den Wandel, ich seh Verbitterung, Verzweiflung
und den Rückschlag schon, Glitzer gelanden über dem maroden Autohandel, die Glücksritter
und Goldgräber sind längst auf und davon, dem Videoverleih ist längst die Puste ausgegangen,
und in der Plattensiedlung bleibt die Zeit ganz einfach still, die Zukunft, nein, hier
hat die Gegenwart nicht stattgefunden, von Satellitenschüsseln und Discountmarkt abgesehen.
Der Lebensplan ist abgewickelt und der Job verloren, die Sprüchemacher sind verstummt
und trauen sich nicht mehr her, die Drahtzieher von damals bleiben wieder,
wieder ungeschoren, die Bonzen und die Spitzel, die packt heut doch keiner mehr, es braucht
schon einen unverschämten Mut zum Überleben, um ohne Zukunft das Vergangene auszuhardieren,
sie haben sich nicht aufgeliebt, um jetzt klein beizugeben, die Unterdrücker nicht
verjagt, um stumm zu resignieren.
.
Ich höre so viele Torheiten von Welten, die uns trennen, dass sich aus Neid und Widersprüchen
neuer Zwist entspinnt, wir müssen ja nicht gleich sein, wir müssen uns nur kennen, wir
sind doch nicht nur eins, wenn wir auch einer Meinung sind.
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Untertitelung des ZDF, 2020
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