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Herr und Hund - Teil 16
Thomas Mann,
Will Quadflieg
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Lyrics
Uploaded bypasserby
Und in welchem Wut und Wonne,
Sehnsucht und ekstatische Verzweiflung sich mischen?
Wie oft habe ich Bauschannes Ausstoßen hören.
Es ist die Leidenschaft, die gewollte,
aufgesucht und trunken genossene Leidenschaft selbst,
die dadurch die Landschaft gilt.
Und jedes Mal wieder,
wenn ihr wilder Schrei von fern oder nah an mein Ohr dringt,
erschrecke ich auf eine heitere Weise.
Er fährt mir in die Glieder.
Froh,
dass Bauschann heut auf seine Kosten kommt,
eilig vorwärts oder zur Seite,
um die Hetze womöglich in mein Gesichtsfeld zu bringen.
Und wenn sie an mir vorüberbraust,
stehe ich,
gebannt und gespannt,
ob gleich der nichtige Ausgang des Abenteuers im Voraus feststeht,
und schaue zu,
in das ein erregtes Lächeln mir das Gesicht verzieht.
Der gemeine oder furchtsame Hase.
Er zieht die Ohren durch die Luft,
den Kopf im Genick,
rennt um sein Leben
und kratzt in langen Sprüngen vor dem innig heulenden Bauschahn aus,
das hintergeläuft,
das weiß-lichtgelbe Gesäß in die Lüfte schleudert.
Und doch sollte er im Grunde seiner
angstvollen und fluchtgewohnten Seele wissen,
dass es nicht ernste Gefahr hat und dass er davonkommen wird,
wie noch jeder seiner Brüder und Schwestern.
Nie im Leben hat Bauschann einen von ihnen erwischt.
Und wird auch nicht.
Es ist so gut wie unmöglich.
Viele Hunde, so heißt es, sind des Hasen tot.
Ein Einzelner kann es nicht schaffen.
Und überträfe er Bauschann auch noch an ausdauernder Schnelligkeit.
Denn der Hase verfügt ja über den Haken,
über den Bauschann nun einmal nicht verfügt.
Und damit ist die Sache entschieden.
Es ist eine unfehlbare Waffe und Fähigkeit des zur Flucht Geborenen,
ein jederzeit anwendbares Auskunftsmittel,
das er im Sinne trägt,
um es im entscheidenden und für Bauschann
hoffnungsreichsten Augenblick anzuwenden.
Und Bauschann ist verkauft und verraten.
Da kommen sie schräg durch das Gehölz,
überqueren vor mit den Pfad und schießen gegen den Fluss hin.
Der Hase stumm und seinen ererbten Trick im Herzen,
Bauschann in hohen,
jammernden Kopftönen heulend.
Heule nicht, denke ich.
Du verausgabst Kräfte damit,
Lungenkräfte,
Atemkräfte,
die du sparen solltest und alle zu Rate haben,
um ihn zu bekommen.
Und ich denke so,
weil ich an der Sache innerlich beteiligt bin,
weil ich auf Bauschanns Seite stehe,
weil seine Leidenschaft auch mich ergreift,
sodass ich ihm eifrig den Sieg wünsche,
auf die Gefahr,
dass er den Hasen vor meinen Augen in Stücke zerrisse.
Wie er rennt!
Ein Wesen in der äußersten Anspannung aller seiner Kräfte zu sehen,
ist schön und genussreich.
Er rennt besser als der Hase.
Seine Muskulatur ist stärker.
Der Abstand zwischen ihnen hatte sich deutlich verkleinert,
bevor sie mir aus den Augen kamen.
Und ich eile ebenfalls ohne Weg links hin durch
den Park und gegen das Ufer und treffe eben
rechtzeitig auf der Kiesstraße ein,
um die Jagd von rechts anrasend zu sehen.
Die hoffnungsreiche,
erregende Jagd.
Denn Bauschann ist dem Hasen fast auf den Fersen.
Er ist verstummt.
Er rennt mit
zusammengebissenen Zähnen.
Die unmittelbare Witterung treibt ihn zum Letzten.
Und einen
Vorstoß noch,
Bauschann,
denke ich und möchte ich rufen.
Gut gezielt und mit Besonnenheit.
Gib
Acht auf den Haken.
Aber da ist der Haken auch schon.
Das Unglück ist da.
Der entscheidende
Vorstoß geschah.
Und in dem gleichen Augenblick geschieht auch ein Ruck,
ein kurzes,
leichtes
und schnippchenhaftes Wegzucken des Hasen
im rechten Winkel zur Richtung des Laufes.
Und an seinem Hinterteile schießt Bauschann vorbei,
schießt heulend,
hilflos und bremsend
das Kies und Staub emporstieben geradeaus.
Und bis er seiner Bewegung Einhalt getan,
sich herumgeworfen und sich in neuer
Richtung wieder flott gemacht hat,
bis,
sage ich,
dies unter Seelenqual und Jammergeheul vollbracht,
hat der Hase einen bedeutenden
Vorsprung gegen das Gehölz hingewonnen.
Ja,
ist dem Verfolger wohl gar aus den Augen gekommen.
Denn während seines verzweifelten Bremsens konnte dieser nicht sehen,
wohin der andere sich wandte.
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Artist
Thomas Mann
Will Quadflieg
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